Erfahrungsgeschichte “Die Kraft der Stille”

Erfahrungsgeschichte “Die Kraft der Stille”

Hier eine kleine Geschichte aus meinem Familienalltag: Mein Sohn kommt an einem Freitag wütend aus der Grundschule und beschwert sich über die vielen Hausaufgaben, die er am Wochenende zu erledigen hat. Dies ist insofern ungewöhnlich, da ihm die Schulaufgaben in der Regel leicht fallen und er diesbezüglich bisher nie Unmut gezeigt hat. Da ich ihm natürlich helfen mag, springt mein “Lösungs”-Hirn an und möchte am liebsten gleich loslegen und mit ihm die Hausaufgaben anschauen und einen Plan machen, was wir am besten wann erledigen, damit es ihm nicht so viel erscheint und wir alle als Familie noch etwas gemeinsam unternehmen können. Zugleich erinnere ich mich an mein letztes Modul der GFK-Trainerausbildung, in dem wir die Kraft der Empathie kennengelernt haben.

Ich entscheide mich spontan dazu, “nur” zuzuhören und meinem Sohn einen Raum zu geben, in dem er ganz in Ruhe erzählen kann, ohne gleich selbst mit Ideen und Ratschlägen ums Eck zu kommen. So setzen wir uns gemeinsam auf die Couch und er beginnt zu erzählen. Er ist immer noch wütend über diese “Unverschämtheit”. Denn das Wochenende ist doch schließlich zum Ausruhen da. Er erzählt im Detail von den bevorstehenden Hausaufgaben. Es entsteht eine Pause. Ich entscheide mich weiterhin zuzuhören ohne etwas zu sagen. (Was eine große Herausforderung für mich ist und mich gleichzeitig neugierig macht, wo uns das hinführen wird.) Und plötzlich läuft ihm eine Träne über die Wange und er erzählt weiter: “Weißt du was Mama? Eigentlich ist die ganze Schule doof. Ich gehe da gar nicht mehr hin. Alles ist so ungerecht.” Ich merke wie ich unruhig werde und beschwichtigen möchte à la “Ist doch sicher nicht so schlimm!” oder “jetzt übertreibst du aber!” Ich bleibe tapfer und höre ihm weiter zu und nach und nach sprudelt es aus ihm heraus: Er wird seit einigen Wochen von einigen Mitschülern in der Pause beschimpft, einige werden sogar handgreiflich. nun frage ich doch nach, ob er weiß, wie es plötzlich dazu kommt, denn eigentlich war er ein beliebter Schüler und mit allen gut befreundet. Da erzählt er weiter, dass er als Klassensprecher seit einiger Zeit eine neue Aufgabe hat: Wenn der Lehrer nicht im Zimmer ist, soll er die Namen der Mitschüler, die sich nicht an die Regeln halten, an die Tafel schreiben. Ich war fassungslos. Und gleichzeitig so froh, einfach nur zugehört zu haben. Ich bin mir sicher, dass er dieses Thema noch länger mit sich herum geschleppt hätte, wären wir direkt in das Thema Hausaufgaben eingestiegen. 

Das war meine erste Erfahrung und mein erstes magisches Geschenk mit dem “aktiven Zuhören.” Es gibt dem anderen die Möglichkeit und die Zeit, sich mit all seinen Gefühlen zu spüren und tiefer zu tauchen. Manchmal ist das zuerst angesprochene Problem, nicht das eigentliche Problem.

Glücklicherweise konnten wir diese “unsinnige” (Bewertung 😉 ) Aufgabe mit dem Lehrer zeitnah besprechen. Er war sich der Auswirkungen dieser Aufgabe gar nicht bewusst und wirklich dankbar für die Rückmeldung.

 

Aktion:

Wann hast Du jemanden zuletzt einfach nur zugehört? Ohne selbst etwas sagen zu müssen? Probiere es gern einmal aus. Höre einfach nur zu. und versuche zu hören, was den anderen bewegt. Welche Gefühle kannst du heraushören? Worum geht es dem anderen?

Erfolgsgeschichte “Chaos im Kinderzimmer”

Erfolgsgeschichte “Chaos im Kinderzimmer”

Für mich war der erste Schritt der Gewaltfreien Kommunikation der Türöffner dafür bei der GFK  dranzubleiben, denn ich hatte direkt nach meinem ersten Einführungsseminar in die Gewaltfreie Kommunikation ein wunderbares Erfolgserlebnis: Viele Diskussionen über den Grad der Ordnung meiner Tochter in ihrem Zimmer führten bis dahin oft zu Diskussionen und Streit. Mein früheres Ich sagte so Dinge wie: „Dein Zimmer ist schon wieder nicht aufgeräumt.“ Oder „Hier sieht es aus wie auf der Mülldeponie.“ Meine Tochter erwiderte das regelmäßig in etwa so: „Das stimmt doch gar nicht!“ und wurde wütend. So oder so ähnlich verlief das jedes Mal.

Nach meinem ersten GFK- Seminar war ich hoch motiviert und machte den Test. Ich ging direkt zu ihr ins Zimmer und begann aufzuzählen was ich beobachtete: „Ich sehe auf dem Boden liegen zwei Stifte, Playmobilfiguren und eine Schere. Auf dem Fensterbrett steht ein Teller mit Kuchen von heute Nachmittag.“ Und was dann passierte war wirklich magisch. Sie sagte: „Ja stimmt Mama. Kannst du bitte den Kuchenteller mit in die Küche nehmen? Außerdem frage ich mich schon lange, ob ich eine neue Kiste für die Playmobilfiguren haben kann? Denn diese ist kaputt“ Ich war wirklich verblüfft. Ich „musste“ zwar den Kuchenteller wegräumen. Gleichzeitig erstaunte mich, wie wunderbar wir im Gespräch blieben und sich in der Zimmerordnung etwas “bewegte”.

„Die vier Schritte“

„Die vier Schritte“

Das Modell wurde in den 1960er Jahren von einem amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg  entwickelt und besteht aus vier Kommunikationsschritten. Dabei lernen und erforschen wir:

  1. Beobachtungen von Bewertungen zu unterscheiden
  2. Gefühle wahrzunehmen und von Gedanken zu unterscheiden
  3. unsere Bedürfnisse zu erkennen und zu benennen
  4. uns dienliche Strategien (Bitten) zu finden, zu formulieren und damit ins TUN zu kommen.

Stück für Stück können wir mithilfe dieser Schritte in die Selbstempathie gehen und uns erstmal mit uns selbst verbinden. Was ist mir wichtig? Worum geht es mir eigentlich? Wenn ich diese Dinge klar habe, kann ich mich authentisch zeigen und in einen aufrichtigen und wertschätzenden Dialog gehen. Die vier Schritte kann ich auch anwenden, um in die Empathie zu gehen und zu vermuten, worum es dem anderen geht. 

Das Modell der GFK unterstützt uns konkret dabei:

  • Vorwürfe, Kritik und Forderungen nicht persönlich zu nehmen, sondern die dahinter liegenden Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen
  • alte Muster wie Verteidigung, Rückzug und Angriff aufzulösen
  • Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, ohne andere zu beschuldigen, zu bewerten oder zu kritisieren
  • in die Selbstverantwortung zu kommen und Bitten klar zu formulieren
  • unsere Beziehungen zu stärken

Gewaltfreie Kommunikation bezeichnet zum einen die konkrete Kommunikationstechnik mit den vier Schritten, zum anderen – und das ist genauso wichtig – eine Haltung und innere Einstellung im Umgang mit uns selbst und anderen. Mehr zur “Haltung der GFK”

Die Grundlagen dieses Modells sind übersichtlich und aus meiner Sicht in einem Tagesseminar erlernbar. Allerdings hat ein Trainerkollege mal gesagt: „Die GFK ist einfach, aber nicht leicht.“ Warum? Weil wir jahrelang konditioniert und aufgewachsen sind und diese Muster erstmal neu umprogrammiert werden müssen. 

Das klingt nach viel Arbeit und großer Veränderung? Ich glaube es geht wie mit allem im Leben wunderbar auch in kleinen Schritten. Ich stelle mir diese Entwicklung gerne wie einen Garten vor. Jeden Tag haben wir die Möglichkeit einen kleinen wunderbaren Samen bspw. des Mitgefühls, der Selbstverantwortung oder der Freundlichkeit auszusäen. Wenn wir anfangen und uns bewusst dafür entscheiden, können aus diesen Samen mit jedem Üben und Dranbleiben kleine zarte Pflänzchen wachsen. Wenn Du jeden Tag diese Pflänzchen hegst und pflegst, wirst du schnell merken, wie gut Dir das tut. Daraus wird mit der Zeit ein wunderschöner, lebendiger und bunter Garten entstehen.

 

Aktion:

Wenn DU bis hierher gelesen hast und weiterhin neugierig bist, dann schau doch mal auf meiner Terminübersicht, ob demnächst ein Seminar in deiner Nähe stattfindet. Auch gibt es einige Online-Termine, die es möglich machen, von überall die GFK zu erlernen 🙂

Was ist nun eigentlich diese GFK?

Was ist nun eigentlich diese GFK?

Damals habe ich in etwa so geantwortet: „Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein Kommunikationswerkzeug, welches aus vier Schritten besteht. Diese vier Schritte wendest Du an, um bestehende Konflikte mit anderen Menschen zu klären.“ 

Heute weiß ich, dass die Gewaltfreie Kommunikation viel, viel tiefer geht. Wenn ich Menschen heute erzähle, was die GFK ist, dann erzähle ich oft von dem, was die GFK mir jeden Tag schenkt: In erster Linie hilft die Gewaltfreie Kommunikation mich selbst besser zu verstehen. Dabei muss ich immer an den Buchtitel von R. David Brecht denken: „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“  😊

Gewaltfreie Kommunikation

 

ICH: Ich gehe beispielsweise achtsamer durch meinen Alltag. Ich entwickle ein immer feineres Gespür für meine Gefühle und damit auch für meine Bedürfnisse. So fällt es mir heute viel leichter, zu erkennen, was ich gerade brauche und das meinen Mitmenschen mitzuteilen.

Diese Eigenverantwortung kann am Anfang anstrengend und vielleicht sogar erschreckend sein und auch Überwindung kosten. Und gleichzeitig steckt ein unfassbares Geschenk darin: Denn ich glaube fest daran, dass nur ich selbst, ganz genau wissen kann, was ich gerade brauche und was ich wirklich wirklich will und darin steckt so viel Kraft, Freiheit und ein unglaubliches Potenzial für Wachstum. Und diese Verbindung zu mir selbst schenkt mir ein tiefes Vertrauen und die Möglichkeit mit anderen in einen viel tieferen Kontakt zu kommen. 

Wenn Dich das bis hierher neugierig gemacht hat und Du wissen möchtest, was sich konkret in den letzten 5 jahren bei mir verändert hat, dann lese meinen Beitrag “Vom Hamsterrad zu meinem Leben”.

DU: Mit der GFK lerne ich zuzuhören und die Gefühle anderer wahrzunehmen, ihre Sicht der Dinge zu verstehen und aktives Interesse für ihr Anliegen zu entwickeln. Spannend dabei für mich ist immer wieder zu sehen, wie wirksam und entspannend es sein kann, wirklich aktiv und empathisch zuzuhören, ohne dem anderen unbedingt eine Lösung bieten zu müssen. Denn hierin liegt der Schatz: den anderen darin zu begleiten, seine Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen und ihn zu unterstützen in seine eigene Kraft zu kommen. So kann er oder sie aus sich heraus Ideen und Lösungen entwickeln. Ein Beispiel für die Kraft, die in Empathie steckt, kannst du im Blogbeitrag, der Erfolgsgeschichte „Die Kraft der Stille“ lesen.

WIR: Meine Beziehungen sind dadurch unter anderem “echter”,  “tiefer” und “lebendiger” geworden. Sowohl in Partnerschaft, im Unternehmen und in der Familie.

 

Aktion: 

Möchtest Du die genauen Inhalte der GFK kennenlernen? Dann lese hier gerne weiter.

„Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist zu beobachten ohne zu bewerten.“

„Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist zu beobachten ohne zu bewerten.“

Dieses Zitat eines indischen Philosophen habe ich vor Jahren das erste Mal in einem Buch von M. Rosenberg gelesen und mir gedacht: „So ein Quatsch!“. 

Und “zack”, damit war ich direkt in der Bewertung. Bewirkt hat diese Bewertung, dass ich von diesem wundervollen Buch erstmal Abstand genommen habe. Ich habe dem Buch quasi keine Chance gegeben. Und genau das ist es, was eine Bewertung oder ein Urteil macht: Es kann schnell zur Trennung führen. Vor allem in Gesprächen kann es dazu führen, dass Andere sich womöglich angegriffen oder nicht verstanden fühlen und sich zurückziehen.

Deswegen geht es auch im ersten Schritt der Gewaltfreien Kommunikation genau um diese Fragen: Bin ich gerade im Urteil oder beobachte ich gerade objektiv?

Beispiel 1: 

„Ich glaube Herr Meyer hat keine Ahnung.“ (Bewertung)

„Herr Meyer hat zu dieser Frage bisher keine Stellung bezogen.“ (Beobachtung)

Beispiel 2:

„Du bist so chaotisch und unordentlich.“ (Bewertung)

„Auf deinem Tisch liegen jeden Abend verschiedene Bücher und Stifte sowie benutztes Geschirr.“ (Beobachtung)

 

Aktion: 

Überprüfe einmal: Wie geht es Dir mit den Beispielen oben? Lies Sie Dir nochmal durch und nimm dir nach jedem Satz Zeit zum Nachspüren. Wie geht es Dir mit der Formulierung einer Beobachtung und wie geht es Dir mit der Bewertung?

Wie kann uns der erste GFK-Schritt in der Kommunikation mit Anderen helfen?

Wenn wir lernen wahrzunehmen, was gerade ist, und das zu benennen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der andere mir weiterhin zuhört. Denn wenn ich die Tatsachen (Zahlen, Daten, Fakten) benenne, dann wird der Andere mir in der Regel zustimmen oder zumindest nicht widersprechen. Insgesamt wirkt dieser erste Schritt deeskalierend. Eine Beispielgeschichte dazu kannst du in meinem Blog-Beitrag „Chaos im Kinderzimmer“ nachlesen.